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180° Meer von Sarah Kuttner

Als bekennender Sarah Kuttner-Fan habe ich mir kurz nach ihrer Lesung im Theaterlabor, das aktuelle Buch von einer Freundin ausgeliehen. Ich habe es genauso verschlungen, wie die bisherigen zwei Romane „Mängelexemplar“ und „Wachstumsschmerz“. Bei meinem kleinen Einblick in „180° Grad Meer“ möchte ich dieses Mal gerne Katrins roten Faden zur Buchrezension verwenden.

Jule ist ein Mensch voller Wut und Unzufriedenheit in ihrem Leben. Zusammen mit ihrem kleinen Bruder wächst sie bei ihrer depressiven Mutter auf und wird schon als Kind in eine Rolle gepresst, in der sie (zu) viel Verantwortung für die Familie übernehmen muss. Nur halbherzig singt sie als Teil eines Duos in Bars, um damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Irgendwann beginnt ihre Beziehung zu ihrem Freund Tim zu bröckeln und sie flieht zu ihrem Bruder nach London, um Abstand zu gewinnen und um ein bisschen sich selbst zu finden. In England kommt plötzlich ihr Vater wieder ins Spiel, der nicht ganz Unschuld an Jules grundsätzlicher Unzufriedenheit im Leben ist und zu dem sie lange keinen Kontakt hatte.

  • Humor: Auch wenn Jule kein glücklicher Mensch ist und sich in England erstmal wieder neu sortieren muss, so musste ich an einigen Stellen im Buch wirklich lachen. Zum einen über Jules schräge Mutter Monika, als auch über die Beziehung zwischen Jule und dem Hund, den sie sich in der WG ihre Bruders ausleiht.

An der Wand am Kopfende des Bettes ein geschwungenes Cappuccino!-Wandtattoo, was meiner Meinung nach nirgendwo, außer vielleicht in einem Starbucks, Sinn macht, ganz sicher aber nicht über einem Bett.

  • Fesselfaktor: Im Großen und Ganzen ist „180° Meer“ keine wirklich fesselnde Geschichte. Der Plot ist schnell erzählt. Trotzdem hat mich der Charakter Jule so gefesselt, dass ich unbedingt wissen wollte, ob sie wieder zufriedener werden kann oder ob sie wengistens etwas Positives aus ihrer Vergangenheit mit in die Gegenwart nehmen kann.
  • L’amour: Auf den ersten paar Seiten gibts schon Liebe zwischen Jule und Tim zu erkennen. Keineswegs kitschig, doch der Fokus liegt im Buch an anderer Stelle.
  • Fantasie: Diesen Punkt ignoriere ich einfach mal, weil ich mich kaum daran erinnern kann, dass ich mal eine Geschichte gelesen habe, die nicht in der „realen“ Welt spielte. (Außer vielleicht Kafkas „Die Verwandlung“ während der Schulzeit. Schrecklich.)
  • Tiefgang: Ist nicht unbedingt im Buch zu erwarten. Man braucht nicht viel zwischen den Zeilen lesen, um zu verstehen, warum Jule so wütend und unzufrieden mit sich und der Welt ist.

Jetzt sind wir hier und hier ist das Meer, das schön und ganz nach meinem Geschmack ist, da muss mal kurz losgelassen werden, und zwar alles. Auch der Hund.

  • Schreibstil: In der ZEIT habe ich eine schreckliche Kritik zu Sarah Kuttners Schreibstil gelesen. Ich habe mich wahnsinnig darüber geärgert, dass der Autor anhand von ein paar Sätzen, Kuttner Schreibstil so sehr durch den Kakao gezogen hat. Ich würde schon sagen, dass ihr Schreibstil sehr umgangssprachlich ist und an manchen Ecken etwas „schluderig“ daher kommt. Trotzdem gefällt mir dieser Stil und harmoniert durch und durch mit Jule, der Hauptperson des Buches.
  • Empfehlenswert: Wer Road-Stories und Persönlichkeiten auf der Suche nach sich selbst mag, der sollte dieses Buch lesen. Ansprechen wird der Roman wohl eher Leser zwischen 20 und 40.
  • Cover: Sehr langweilig meiner Meinung nach. Einfach mal ein schäbiges Meer-Foto in schwarz-weiß abgebildet, Autor und Titel drauf – fertig. Schöne Gestaltung sieht anders aus. Mein größter Kritikpunkt in Sachen Gestaltung ist allerdings die Typografie IM Buch. Trotz Brille finde ich die Typo wirklich sehr dünn, sodass ich das Lesen zwischenzeitlich wirklich anstrengend fand. So etwas ist mir zum ersten Mal in einem Roman aufgefallen. Da freue ich mich schon auf das nächste Ebook, bei dem ich mir wieder meine bevorzugte Schrift einstellen kann.

1 Antwort auf „180° Meer von Sarah Kuttner“

Das freut mich aber ganz besonders, das du hier den „roten Faden“ übernommen hast. Und ich muss wirklich sagen, deine Rezension liest sich sehr gut. Klingt nach einem Buch, das glaube ich nix für mich ist. Ich mag leider keine Geschichten mit deprimierten und unzufriedenen Menschen. Auch wenn mich der Hund in der Geschichte schon sehr lockt. Geschichten in denen Hunde vorkommen können nicht wirklich schlecht sein.
Das Cover hingegen gefällt sehr gut. Schau, so unterschiedlich kann’s sein.

LG, Katrin

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