Fast Fashion im MKG Hamburg

In meinem kleinen Hamburgurlaub habe ich mir unter anderem die aktuelle Ausstellung „Fast Fashion“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe angesehen. Zuvor hatte ich auf verschiedenen Blogs darüber gelesen und war gespannt, was diese Ausstellung so zu bieten hatte, weil ich mich schon seit einiger Zeit mit dem Thema Slow Fashion auseinander setze.

Hauptbestandteil der Ausstellung sind verschiedene Infografiken (siehe unten), Fotoreportagen, zum Beispiel vom Gebäudeeinsturz einer Textilproduktion in Bangladesch, sowie einigen Filmsequenzen von Menschen auf der ganzen Welt, die für Hungerlöhne unsere Mode produzieren.

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Abgesehen von den Infografiken und den Fotodokumentationen, gab es für mich in dieser Ausstellung nicht viel Neues zu entdecken. Fast alle Filmsequenzen sind mir bereits aus TV-Dokus bekannt gewesen und auch die meisten Bilder vom tragischen Unglück in Bangladesch kannte man bereits aus den Medien.

Einer der ersten kleinen Monitore im Eingangsbereich zeigt aktuelle Youtube-Videos von Teenies, die hysterisch von ihren „Shopping-Hauls“ berichten und dabei eine Tüte nach der anderen auspacken. Das Ganze tun sie wahrscheinlich ahnungslos, ohne das Wissen WIE diese Artikel am anderen Ende der Welt hergestellt worden sind. Hauptsache das neue „It Piece“ wurde möglichst billig im Taschengeld-Preissegment ergattert.

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Auf weiteren Monitoren und Leinwänden erfährt der Besucher, unter welchen, zum Teil lebensbedrohlichen Umständen, Jeans sandgestrahlt werden, damit sie einen besonderen Used Look erhalten und wie Näherinnen unter den chemischen Ausdünstungen der Textilien leiden, die sie verarbeiten müssen.

Wahrscheinlich sind diese Fakten den meisten Deutschen bekannt. Doch bisher habe ich den Eindruck, dass es den meisten Menschen egal ist, auf welchem Weg ihre Kleidung produziert worden ist. Hauptsache billig!

Nach all den erschreckenden Bildern war ich irgendwann froh, in den nächsten Raum weitergehen zu können, der sich mit dem Thema Slow Fashion auseinander gesetzt hat. Slow Fashion steht hierbei für nachhaltige und bewusste Mode aus umweltschonender Herstellung mit kurzen Produktionsketten.

Leider war ich von der Gestaltung dieser Teilausstellung ziemlich enttäuscht. Neben einigen „nachhaltigen“ Modekollektionen von Studierenden der ESMOD-Berlin, gab es nur eine lieblose Aneinandereihung von „fairen“ Labels und alternativen Rohstoffen für unsere Kleidung zu sehen.

Dass man Leder zum Beispiel auch mit Rhabarber oder einem Extrakt aus Olivenbaumblättern gerben kann, wusste ich vorher nicht. Gerne hätte ich noch etwas mehr über die nachhaltigere Verarbeitung von Kleidung erfahren, als nur auf den paar Pinnwänden. Kurz gesagt, Fast Fashion ist eine interessante Ausstellung, die den Besuchern die Prozesse der massenproduzierten Mode verdeutlicht. Für diejenigen, die sich schon vorab mit dem Thema auseinandergesetzt haben, gibt es darum nicht viel Neues zu sehen.

Trotzalledem ist das Museum für Kunst und Gewerbe so groß und mit seinen unterschiedlichen Ausstellung so breit gefächert, dass bestimmt für jeden etwas Interessantes auf den anderen Etagen zu finden ist.

 

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