Was guckst du?

Seit einigen Jahren besitzen wir ein altes Fernsehgerät, das seit mindestens 4 Jahren nicht mehr angeschlossen wurde und nur noch in der Ecke rumsteht. Immer wenn ich das jemandem erzähle kommt ein ungläubiges „Wie? Du guckst gar nicht fern?“ dabei heraus.

Doch, ich schaue schon fern. Wenn man das im weitesten Sinne so nennen kann. Aber eben nur über Mediatheken oder über einen Streaming Dienst. Ich suche mir gezielt aus, was ich gucke und lasse mich selten einfach nur „berieseln“ oder zappe wild herum. Das funktioniert beim Schauen über Mediatheken einfach nicht. Recht regelmäßig schaue ich mir in der letzten Zeit folgende „Sendungen“ an:

Schulz & Böhmermann

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Die Talkshow wird von Olli Schulz und Jan Böhmermann moderiert und läuft seit dem 13.1.2016 immer sonntags auf ZDF neo. Schon 2012 habe ich den Vorgänger „Roche & Böhmermann“ gern gesehen. Damals moderierte Jan Böhmermann noch zusammen mit Charlotte Roche. Olli Schulz finde ich aufgrund seiner hibbeligen, schnodderigen Art oftmals unglaublich nervig. Die Art, wie die beiden die Sendung gestalten, erinnert schon sehr an die Radiosendung „Sanft & Sorgfältig“ (Radio Eins), die ebenfalls von Olli Schulz und Jan Böhmermann moderiert wird. Beide sind Entertainer durch und durch und stellen in den meisten Fällen eher sich in den Vordergrund, als die eingeladenen Gäste.

Trotz des oft chaotischen durcheinander Redens der Moderatoren, mag ich das Format. Das liegt vor allem am Setdesign. Mir gefällt die komplett schwarze Gestaltung des Studios. Nur die große runde Deckenleuchte über dem Tisch der Talkrunde unterstreicht das Setting.

Soweit ich weiß, gibt es keine Talkshow im Fersehen, die es den Gästen erlaubt, während der Sendung zu rauchen. Bei Schulz & Böhmermann ist das kein Problem. Jeder darf rauchen und trinken, soviel er will. Meist steht Whiskey auf dem Tisch, der zu Zeiten von „Roche & Böhmermann“ auch immer thematisiert wurde (Welcher Jahrgang? Welche Sorte? Was für Geschmacksnoten?). Gäste und Moderatoren haben keine angesteckten Mikros, sondern sprechen in „Old School Mikros“, die vor ihnen auf dem Tisch stehen, sodass sie sich zum sprechen immer leicht nach vorn beugen müssen. Weder rauchen, noch Alkohol trinken, möchte ich in irgend einer Weise unterstützen, aber es passt einfach in dieses Sendeformat. (Helmut Schmidt hätte sich in dieser Sendung sicher wohl gefühlt.)

Nicht zu vergessen, die wunderbar klugen Einspieler, die zu jedem Gast nur wenige Sekunden lang, von der Autorin Sibylle Berg eingespielt werden. Eigentlich sind, neben dem Setdesign, die Einspieler das Beste an der ganzen Sendung.

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Kuttner plus 2

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Kuttner plus 2 ist ebenfalls eine Talkshow und lief/läuft bald  wieder (ab 4.2.2016) ebenfalls auf ZDF neo. Die alten Folgen kann man sich aber noch in der Mediathek ansehen. Wie der Sendungstitel schon sagt, geht es hier um Sarah Kuttner plus 2 Gäste. In gemütlicher Atmosphäre, wie zuhause am Küchetisch, sitzt die Kuttner mit 2 Gästen an einem reichhaltig gedeckten Tisch und redet über deren Lebensläufe. Dabei gefällt mir Kuttners lockere und direkte Art und – wen wunderts – das Setting der Sendung. Die 3 sitzen in einer kleinen Wohnung, die ich mir gut als meine eigene vorstellen könnte. Zusammengewürfelte Möbel, verschiedene kleine Lichtquellen und ein großer Küchentisch aus Holz, lassen die Sendung authentisch wirken.

 

Fynn Kliemann – Heimwerker King

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Fynn Kliemann, selbst ernannter Heimwerker King, baut Hühnerställe, lackiert sein Auto, baut einen Teich oder ein eigenes Tonstudio. Dabei verletzt er sich meist mit großer Sicherheit, flucht was das Zeug hält und nutzt als Allzweckwaffe, wenn nichts mehr hält, Gaffatape. Seine Heimwerkerprojekte werden garniert mit einem wunderbar nordischen Slang und der ein oder anderen Rap-Einlage als Hintergrundmusik. Für mich ist es genau mein Humor, auch wenn man bei seinen waghalsigen Säge-, Tacker- oder Schweißaktionen nur die Hände überm Kopf zusammen schlagen kann. Zu finden ist Fynn Kliemann auf Youtube und dort hat er mittlerweile schon eine ziemlich große Fangemeinde.

 

Der Tatortreiniger

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Im Dezember 2015 lief die vierte Staffel von einer, der für mich besten Serien im deutschen Fernsehen. Schotty arbeitet als Reinigungsfachkraft bei der Spube – der Spurenbeseitigung. Er kommt immer dann zum Einsatz, wenn Morde oder Unfälle mit Todesfolge passiert sind. Dabei geht es meist nur am Rande um den Mord und viel mehr um zwischenmenschliche Beziehungen, zwischen den Menschen am Unfallort und Schotty. Bjarne Mädel überzeugt als Schotty, der mit seinem hamburger Dialekt gerne mal die ein oder andere Lebensweisheit von sich gibt und am Ende damit meist recht behält.

Schade, dass ich die vierte Staffel schon komplett durch habe. Ich hoffe auf eine baldige Fünfte, vielleicht sogar mit etwas mehr Folgen pro Staffel. Bis dahin kann man sich Schotty momentan nur bei Amazon anschauen.

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